HERDORF. Herdorf liegt ja bekanntlich ganz oben im Kreisgebiet. Wer aus dem Süden des Landkreises anreist, ist eine gute Stunde unterwegs. Mehr als 30 Unternehmerinnen und Unternehmer haben diesen Weg kürzlich auf sich genommen. Der Anlass war das Wirtschaftsgespräch 2026, zu dem die Wirtschaftsförderung Kreis Altenkirchen, die IHK-Regionalgeschäftsstelle Altenkirchen, die Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald und die Handwerkskammer Koblenz gemeinsam in die Peter Bohl GmbH & Co. KG eingeladen hatten.
Im Mittelpunkt standen die Energiekosten. Sie sind für viele Betriebe der Posten, der sich am schlechtesten planen lässt, und sie sind in den vergangenen Wochen erneut in den Blick gerückt.
Vor dem offiziellen Teil konnten die Gäste den Betrieb besichtigen, darunter die vor einigen Jahren erworbenen Lager- und Bürohallen. Nach der Begrüßung durch die vier Veranstalter sprachen Landrat Dr. Peter Enders und Stadtbürgermeister Uwe Geisinger, der stellvertretend für die Stadt Herdorf und die Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf grüßte. Anwesend war außerdem Bürgermeister Helmut Stühn.
Johanna Bohl, die vor drei Jahren die Geschäftsführung von ihrem Vater Peter übernahm, stellte das gastgebende Unternehmen vor, und die Zahlen sprechen für sich: Von 2010 bis 2026 ist der Betrieb von fünf auf 50 Beschäftigte gewachsen. Ein Glücksgriff war die Expansion in den Siegener Raum mit dem Erwerb von Liegenschaften in Deuz. Sieben Familien- und Verwandschaftsmitglieder arbeiten im Unternehmen mit. Der Schwerpunkt liegt in der Planung und Umsetzung vollständiger Energiekonzepte, und die langjährige Erfahrung des eigentlich ausgeschiedenen, inzwischen wieder reaktivierten Firmenchefs Peter Bohl spielt dabei weiterhin eine Rolle. Sämtliche Firmengebäude haben einen ausgesprochen niedrigen Energiebedarf. Mit Photovoltaik, Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen hat sich der Betrieb früh befasst und gehört damit zu den Vorreitern in der Region. Über das Geschäft hinaus engagiert sich das Unternehmen in heimischen Vereinen und gehört zu den Gründern einer Genossenschaft, die eine Gaststätte in Herdorf betreibt.

Geschäftsführerin Johanna Bohl (Mitte) stellte den Gästen des Wirtschaftsgesprächs das Unternehmen vor. Sie übernahm die Geschäftsleitung vor drei Jahren von ihrem Vater Peter (3. von links), der schon früh die Weichen in Richtung „Erneuerbare Energien“ stellte. Foto: Thorsten Stahl/ Kreisverwaltung
Ein Thema lieferte das Unternehmen gleich mit. Die Nachfolge ist im Landkreis für viele Betriebe eine offene Frage, und bei Peter Bohl ist sie vom Vater auf die Tochter geregelt worden. Es ist ein Beispiel, das sich vorzeigen lässt.
Den fachlichen Teil übernahmen zwei Referenten. Sven Kersten, Regional Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei NIBE Climate Solutions und Mitglied im erweiterten Vorstand des Bundesverbands Wärmepumpe, sprach über Wärmepumpen im gewerblichen Einsatz. Seine Rechnung: Die förderfähigen Kosten sinken bis 2030 stetig, während sich der Gaspreis bis 2035 auf rund 19,5 Cent je Kilowattstunde verdoppeln könnte. Wer wartet, zahlt zweimal. Ein häufiger Fehler seien zu groß ausgelegte Anlagen.
Tobias Rüschenberg, seit über 16 Jahren energiewirtschaftlicher Berater beim VEA Bundesverband der Energie-Abnehmer, zeigte, wo Betriebe bei Regulatorik und Beschaffung ansetzen können. Beim Energiefinanzierungsgesetz etwa lassen sich KWK- und Offshore-Netzumlage begrenzen.
Im Publikum saßen Handwerksbetriebe, Metallbauer, Softwareentwickler sowie Vertreter der Finanz-, Immobilien- und Energiebranche.
„Wir haben uns über das hohe Interesse an dem diesjährigen Wirtschaftsgespräch gefreut, das in diesem Jahr erstmals von der Wirtschaftsförderung Kreis Altenkirchen, der IHK und der Handwerkskammer Koblenz sowie der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald gemeinsam durchgeführt wurde. Als wir vor einigen Monaten das Thema Energie als zentralen Punkt ausgewählt haben, war uns klar, dass es bei Privaten wie bei Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Die letzten Wochen haben es noch stärker in den Fokus gerückt. Ein besonderer Dank gilt den beiden Referenten und insbesondere der Gastgeberin Johanna Bohl“, sagte Lars Kober, Leiter der Wirtschaftsförderung Kreis Altenkirchen, stellvertretend für die Veranstalter.
