Der jährliche Empfang der Wirtschaft des Landkreises Altenkirchen fand am Freitag, 11. September 2026, ab 18 Uhr in der Hottgenroth Software-Akademie in Weyerbusch statt. Organisiert wird er von vier Partnern: der Wirtschaftsförderung des Kreises, der Regionalgeschäftsstelle Altenkirchen der IHK, der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald und den Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald.
Der Veranstaltungsort gab den thematischen Rahmen vor. Im Mittelpunkt standen die Nutzung künstlicher Intelligenz und die Digitalisierung, daneben die Frage, wie Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels Nachwuchs gewinnen und Beschäftigte weiterqualifizieren.
Nüchterner Blick auf die Lage
Landrat Dr. Peter Enders eröffnete die Veranstaltung. Er benannte die Belastungen, mit denen Unternehmen und Verbraucher derzeit umgehen müssen: hohe Energiepreise, unsichere Zeiten und die Sorge um Arbeitsplätze, was zu Zurückhaltung beim Konsum führt und auf die Betriebe zurückwirkt. Zugleich warb er dafür, Positives auch als solches darzustellen, statt vorrangig nach Schwachstellen zu suchen, und äußerte die Erwartung, dass der Empfang der Wirtschaft ein fester Termin im Kreiskalender bleibt.
Impuls: Erwerbsbiografien verlaufen nicht mehr geradlinig
Den Impulsvortrag hielt Lars Klitzke, der seine eigene Erwerbs- und Bildungsbiografie zum Ausgangspunkt für die Frage nahm, wie Aus- und Weiterbildung künftig aussehen werden. Das Thema gewinnt an Gewicht, weil Betriebe Personal, das sie nicht mehr ohne Weiteres einstellen können, selbst ausbilden und halten müssen. Klitzkes fachliche Schwerpunkte liegen im Bauingenieurwesen, bei regenerativen Energien, Energiemanagement, technischem Gebäudemanagement und nachhaltigem Energiedesign. Sein zentraler Punkt zur Digitalisierung: Die Technik allein bewirke nichts, umgesetzt werde am Ende durch den Menschen. Gewonnen werde vor allem Zeit für das Wesentliche, wenn man die einfachen Aufgaben der künstlichen Intelligenz überlasse.
Gesprächsrunde: Bildungswege, Digitalisierung und Strukturwandel
Den inhaltlichen Kern bildete die anschließende Gesprächsrunde, durch die Reiner Meutsch wie gewohnt locker und gekonnt in seiner unnachahmlichen Art führte. Auf dem Podium diskutierten Karl-Heinz Hottgenroth, Vorstandsvorsitzender der Hottgenroth Software AG, Thomas Bellersheim, Vizepräsident der IHK Koblenz, Lars Klitzke, Schornsteinfegermeister Rainer Albus und Vanessa Schmahl von S&S Haustechnik, die für die Perspektive der jungen Fachkräfte stand.
Diskutiert wurde entlang von drei Fragen. Trägt die Vorstellung noch, mit 20 Jahren ausgelernt zu sein, wenn erfahrene Handwerksmeister zusätzlich zu Energieberatern werden und Quereinsteiger für die Betriebe immer wichtiger werden? Was leistet Software, wenn sie zwischen Regelwerken wie dem Gebäudeenergiegesetz und der praktischen Umsetzung auf der Baustelle vermittelt, und wo stehen die Unternehmen im Kreis bei der Digitalisierung? Und ist Weiterbildung für einen 50-jährigen Industriebeschäftigten in Wissen oder Betzdorf angesichts der Automobilkrise eine belastbare Perspektive oder bleibt sie Theorie?
Zum Abschluss ging es um die Frage, woran es dem Kreis für den Strukturwandel am meisten fehlt, von leistungsfähiger Infrastruktur über schnellere Genehmigungsverfahren bis zur Fachkräftegewinnung, und welche Weichen heute gestellt werden müssen.
Netzwerken im Anschluss
Im Anschluss an den offiziellen Teil blieb ausreichend Zeit für Gespräche und neue Kontakte. Der Empfang ist die größte Netzwerkveranstaltung der heimischen Wirtschaft im Kreis und bringt einmal im Jahr Unternehmen, Kammern, Handwerk, Verwaltung und Politik zusammen. Die Themen des Abends, KI-Einsatz im Betriebsalltag, Qualifizierung eigener Beschäftigter und die Bewältigung des Strukturwandels, bleiben auch im weiteren Jahresverlauf Schwerpunkte unserer Arbeit.
